Bye Substack, hello Ghost!

Warum ich meinen Blog von Substack zu Ghost umsiedle.

Ghost-Logo

Mein Blog zieht um. Hier erkläre ich, warum ich mich dazu entschlossen habe.


Das Problem mit Substack

Vor nicht einmal einem Jahr habe ich meinen Blog begonnen. Als Plattform habe ich Substack gewählt, weil es sehr einfach in der Bedienung und somit für Neulinge gut geeignet ist. Diese Vorteile habe ich gerne genutzt.

Aber Substack hat auch Probleme. Es hat Investoren, die Rendite sehen wollen, was dazu führt, dass Daten gesammelt werden und dass man die Firmenpolitik möglichst profitabel anlegt. Das wiederum ist offenbar ein Hauptgrund, warum Substack wenig wählerisch bei der Auswahl seiner Kunden ist.

Es bietet Nazis die Möglichkeit, ihre Propaganda zu verbreiten. Und wenn ich "Nazis" schreibe, dann meine ich damit wirklich Nazis, White Supremacists, offene Rassisten mit Gewaltfantasien zur Abwendung des angeblichen Great Reset. Substack lässt das nicht nur zu, es unterstützt das sogar.

Als User merkt man das nicht so schnell. Anders als bei X, das ich vor allem deshalb verlassen habe, weil der Algorithmus mir zu viele Coronaleugner, Impfgegner und besorgte Rechtsradikale in die Timeline spülte - und noch viel mehr meine Tweets ihnen, worauf sie mit allerlei Hasstweets reagierten, merkt man das bei Substack nicht sofort. Erst die Suchfunktion führt einen zu einer Unzahl an Antivaxx-Blogs und eben auch zu den White Supremacists.


Wie die Sache eskalierte

Ich möchte hier gar nicht allzu sehr ins Detail gehen. Eine kurze Zusammenfassung: Ende November berichtete der Journalist Jonathan Katz in The Atlantic Substack Has a Nazi Problem und wie Substack damit ziemlich viel Geld verdient. Daraufhin fragten 247 Autoren von großen Substack-Blogs in einem offenen Brief an die Führungsriege, was man gegen das Nazi-Problem zu tun gedenke. Nach einer Zeit der Schockstarre antwortete Co-Founder Hamish McKenzie. Etwas überspitzt gesagt schrieb er, dass man nichts dagegen tun wolle. Und irgendwas von Meinungsfreiheit, civil liberties etc. Also all das, was wir von Elon hörten, bevor er Twitter umbenannte und für die Radikalen öffnete.

Note by Hamish McKenzie on Substack
Hi everyone. Chris, Jairaj, and I wanted to let you know that we’ve heard and have been listening to all the views being expressed about how Substack should think about the presence of fringe voices on the platform (and particularly, in this case, Nazi views). I just want to make it clear that we don’t like Nazis either—we wish no-one held those views. But some people do hold those and other extreme views. Given that, we don’t think that censorship (including through demonetizing publications) makes the problem go away—in fact, it makes it worse. We believe that supporting individual rights and civil liberties while subjecting ideas to open discourse is the best way to strip bad ideas of their power. We are committed to upholding and protecting freedom of expression, even when it hurts. As @Ted Gioia has noted, history shows that censorship is most potently used by the powerful to silence the powerless. (Ted’s note: https://substack.com/profile/4937458-ted-gioia/note/c-45421012) Our content guidelines do have narrowly defined proscriptions, including a clause that prohibits incitements to violence. We will continue to actively enforce those rules while offering tools that let readers curate their own experiences and opt in to their preferred communities. Beyond that, we will stick to our decentralized approach to content moderation, which gives power to readers and writers. While not everyone agrees with this approach, many people do, as indicated by @Elle Griffin’s post in defense of decentralized moderation on Substack, which was signed and endorsed by hundreds of writers on the platform, including some of the leading names in journalism, literature, and academia (see Elle’s post below). Even if we were in a minority of one, however, we would still believe in these principles. There also remains a criticism that Substack is promoting these fringe voices. This criticism appears to stem from my decision to host Richard Hanania, who was later outed as having once published extreme and racist views, on my podcast, The Active Voice. I didn’t know of those past writings at the time, and Hanania went on to disavow those views. While it has been uncomfortable and I probably would have done things differently with all the information in front of me, I ultimately don’t regret having him on the podcast. I think it’s important to engage with and understand a range of views even if—especially if—you disagree with them. Hanania is an influential voice for some in U.S. politics—his recent book, for instance, was published by HarperCollins—and there is value in knowing his arguments. The same applies to all other guests I have hosted on The Active Voice, including Hanania’s political opposites. We don’t expect everyone to agree with our approach and policies, and we believe it’s helpful for there to be continued robust debate of these issues. Six years into Substack, however, we have been encouraged by the quality of discourse on the platform. As Elle said in her letter: “We are still trying to figure out the best way to handle extremism on the internet. But of all the ways we’ve tried so far, Substack is working the best.” Thanks for listening, and for caring, and thanks to everyone who publishes on Substack. We are here to serve you and will continue to do our very best in that mission.

Die Note führte erst zum wirklich großen Aufschrei, sodass schließlich sogar die New York Times darüber berichtete ("Substack Says It Will Not Ban Nazis or Extremist Speech"). Wer mehr über die ganze Sache wissen möchte, kann z.B. diesen Artikel Artikel von Ken White lesen, der, ja wirklich, auf Substack erschienen ist:

Substack Has A Nazi Opportunity
Dealing With Nazis, Or Not, Can Be A Brand. Substack’s Monetizing It.

Should I stay or should I go? Mein Weg zu Ghost

All das könnte mir ziemlich egal sein. Wie oben schon erwähnt, kriegt man bei Substack von all dem nichts mit, wenn man das nicht will. Auch verdient die Firma durch mich nicht wirklich was, weil mein Blog gratis ist. (Substack kassiert 10% der Abogebühren der kommerziellen Blogs.)

Aber ich habe von Twitter gelernt, dass man eher früher als später gehen sollte, wenn es ungemütlich wird und man sich vom Firmenkonzept entfremdet. Und ähnlich wie bei meinem Wechsel von Twitter zu Mastodon habe ich eine dezentrale Open-Source-Plattform gesucht, für die ich auch gerne etwas bezahle. Denn schließlich ist nicht alles gratis, was nichts kostet.

Also habe ich mich umgeschaut und - so denke ich - eine Lösung gefunden, mit der ich mich längerfristig anfreunden kann.

Ghost-Logo

Ghost ist open-source und wird von einer Non-Profit-Organisation betrieben. Anders als bei Substack gebe ich meine Texte keinem Unternehmen, das es für mich publiziert, sondern ich nutze die von der Organisation bereitgestellte Software. Ein kleiner, aber wichtiger Unterschied, der für Leser aber nicht sichtbar ist.

Weil ich selber keinen Server betreiben will und kann, habe ich einen Provider gesucht und DigitalPress gefunden. DigitalPress ist in Europa zuhause, genauer gesagt knapp 50km östlich von mir in Bratislava. Es gilt das EU-Recht.


Was ändert sich für die Abonnenten/Mitglieder?

Hoffentlich möglichst wenig. Abgesehen davon, dass das Design meiner Meinung nach viel schöner ist.

Die bisherigen Abonnenten sollten durch das Migrationstool von Ghost einfach herübergeführt worden sein. Abonnenten bzw. "Members", wie sie hier genannt werden, kriegen natürlich den Newsletter bei Erscheinen eines neuen Artikels. Außerdem steht den Mitgliedern die Kommentarfunktion unter allen Artikeln zur Verfügung. Die Artikel können natürlich auch ohne Registrierung frei gelesen werden, Kommentare schreiben ist aber ohne Mitgliedschaft nicht möglich.

Auch die bisherigen Artikel habe ich mit etwas Handarbeit hierher kopiert. Der Blog drüben bei Substack bleibt aber bestehen, schon alleine, weil es in meinen Artikel zahlreiche Links zu anderen Artikeln meines Substacks-Blogs gibt. Aber neue Artikel wird es dort keine mehr geben.

Zu Beginn meines Blogs bei Substack habe ich versprochen, dass er gratis und werbefrei bleiben wird. Das bleibt auch hier natürlich so.


Tut mir leid für die zusätzliche Mühe! Aber mir war der Wechsel ein echtes Bedürfnis und ich hoffe möglichst alle hier wiederzusehen.