Aluminium in Impfungen ist ungefährlich (und das ist nichts Neues)

Im British Medical Journal erschien ein Review, in dem systematisch die Evidenz für Schäden durch Aluminium in Impfungen untersucht wurde.

Aluminium in Impfungen ist ungefährlich (und das ist nichts Neues)
Wenn man bei Unsplash „Aluminium“ sucht. Foto von Julia Maior / Unsplash
  • Aluminiumsalze sind ein Adjuvans in einigen Impfstoffen. Die Menge ist ein Bruchteil des über die Nahrung aufgenommenen.
  • Impfgegner behaupten, es schädige die Gesundheit der Geimpften.
  • In dem Review von insgesamt 59 Studien fanden die Studienautor:innen keine stichhaltigen Hinweise für eine Gesundheitsschädigung durch das in Impfstoffen enthaltene Aluminium.

Egal, wie groß die medizinische, epidemiologische und demografische Evidenz ist, dass die Impfungen einen enormen Nutzen bei nur minimalem Risiko bringen, es wird immer Leute geben, die das Gegenteil behaupten. Egal, wie oft beispielsweise Andrew Wakefield, der „Vater aller Impfgegner“ (profil), wissenschaftlich und moralisch diskreditiert worden ist, er hat immer noch weltweit seine Anhänger und bekam im Zuge der COVID-Pandemie als einer der Säulenheiligen von Coronaleugnern zusätzliche Anhängerschaft.

Wakefield erfand den angeblichen Zusammenhang zwischen den Masern-Mumps-Röteln-Impfungen und Autismus. Seine Studie war Betrug, er fälschte Daten und erhielt Geld von Lobbygruppen, ohne dies offenzulegen (Artikel dazu im British Medical Journal). Inzwischen gibt es zahlreiche unabhängige Untersuchungen zum Thema Impfungen und Autismus, die alle zu dem Schluss kommen, dass es keinen Zusammenhang zwischen beiden gibt. Antivaxxern ist das egal. Sie verbreiten die falsche Behauptung weiter.

Ähnlich verhält es sich bei gesundheitlichen Folgen von Aluminiumsalzen in manchen Impfstoffen. Diese werden seit genau hundert Jahren als Adjuvans verwendet, beispielsweise in den Diphtherie-Keuchhusten-Tetanus-Impfungen oder auch in den Hepatitis-Impfungen. Sie sorgen für eine langsamere Abgabe des Impfantigens in den Körper und für seine leichtere Aufnahme in die Immunzellen. Die Impfungen sind so wirkungsvoller bei gleichzeitig weniger Impfantigen (etwas, das Impfkritikern eigentlich gefallen sollte).

Eine Impfdosis beinhaltet rund ein halbes Milligramm Aluminiumsalz, das zum Großteil rasch ausgeschieden wird - es wird einfach ins WC gepinkelt. Zum Vergleich: Über die Nahrung nehmen Erwachsene täglich 5 bis 10 Milligramm Aluminium auf. Gestillte Babys trinken pro Tag zwischen 0,25 und 0,5 Milligramm Aluminium über die Muttermilch. Laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ist die maximal tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge 1 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Die durch Impfungen verabreichte Aluminiummenge entspricht also selbst bei einem mit allen empfohlenen Impfungen versorgten Kind einem Bruchteil der durch die Nahrung aufgenommenen und der tolerierbaren Menge. (Mehr Infos zu Aluminium gibt es in diesem ausführlichen PDF des österreichischen Gesundheitsministeriums.)

Ideologische Impfgegner beeindruckt das ebenso wenig wie die Fülle an Studien, die keine negativen Effekte der Aluminiumadjuvantien fanden. Im Gegenteil. Als voriges Jahr eine große Studie publiziert wurde, in der bei über 1,2 Millionen von 1997 bis 2008 geborenen, dänischen Kindern keine negativen Auswirkungen gefunden wurden („Aluminum-Adsorbed Vaccines and Chronic Diseases in Childhood: A Nationwide Cohort Study“), reagierten sie wütend. Im einschlägig bekannten Portal tkp (Psiram-Artikel darüber) wurde die Studie umgehend zur „Schrottstudie“ erklärt.

Screenshot der Schlagzeile des Artikels bei tkp.at

Damit fand sich der Autor Peter F. Mayer in - wenn man so will - guter Gesellschaft. Robert F. Kennedy Jr. schrieb einen Artikel, dessen Sprache nicht nur für einen Gesundheitsminister beeindruckend untergriffig war. Er warf den Autor:innen des renommierten Statens Serum Instituts in Kopenhagen vor, sie wären inkompetent und von der Pharmaindustrie gekauft, und forderte von dem renommierten Fachjournal Annals of Internal Medicine, wo die Studie publiziert wurde, den Artikel umgehend wieder zu entfernen. Die Antwort des Studienleiters Anders Hviid war sprachlich zurückhaltend, in der Sache scharf:

Data vs. Doubt: Danish Scientist Responds to U.S. HHS Secretary Critique of Aluminum Vaccine Study
Anders Hviid, August 3, 2025, Copenhagen In his opinion piece published August 1, 2025, on Trialsite News, the Secretary of the U.S. Department of Health and Human Services raises a number of methodological concerns, couched in needlessly vitriolic rhetoric, about our study on aluminum-adsorbed vaccines and early childhood health conditions published July 15 in Annals of Internal Medicine. I have tried to summarize these briefly in the following list:

Die Chefredaktion der Annals of Internal Medicine weigerte sich ohnehin, den Artikel zu entfernen. Im folgenden, ursprünglich bei Nature erschienen und später ohne Bezahlschranke im Scientific American abrufbaren Artikel erfährt man die Gründe:

RFK, Jr., Demanded a Vaccine Study Be Retracted—The Journal Said No
In a rare move for a U.S. public official, Secretary of Health and Human Services Robert F. Kennedy, Jr., called for a paper that found no link between aluminum in vaccines and disease to be retracted. The journal rejected the request

Ein Hauptargument der ad hominem Attacken von RFK Jr. und anderen Impfgegnern ist es, allen Forscher:innen und Ärzt:innen, die sich pro Impfungen aussprechen, Korruption und Bezahlung durch die Pharmaindustrie vorzuwerfen. In einem vor wenigen Tagen erschienenen Artikel drehen drei ehemalige Mitglieder der Führungsebene der US-Gesundheitsbehörde CDC den Spieß um und berichten vom finanziellen Gewinn, den RFK Jr. durch seine Tätigkeit als Anti-Impf-Anwalt gemacht hat. Lesenswert:

Opinion | ‘Why is RFK Jr. attacking vaccines?’ The answer is not what you think.
We need radical transparency in how Kennedy’s Department of Health and Human Services is being managed.

Gesundheitliche Folgen von Aluminium in Impfstoffen - ein systematischer Review

Die überwältigende Evidenz aus zahlreichen Studien zeigt keine schädlichen Folgen der Aluminiumsalze in Impfstoffen. Nun erschien im British Medical Journal ein Review einer Gruppe kanadischer Wissenschaftler:innen, in dem diese Evidenz erstmals systematisch zusammengefasst wurde („Aluminium adjuvants in vaccines and potential health effects: systematic review“). In einem gut gemachten systematischen Review versucht man, Fehler und Verzerrungen von Einzelstudien durch eine kritische Betrachtung der Ergebnisse mehrerer Studien zu eliminieren.

Für diesen Review fanden die Autor:innen anhand klarer, vorab festgelegter Kriterien insgesamt 59 von 1971 bis 2025 publizierte Studien zum Thema

  • 37 Fallstudien. Hier wurden mit einem aluminiumhältigen Impfstoff geimpfte Kinder und Jugendliche nachbeobachtet. Da es hier keine Kontrollgruppen gibt, ist ihr Evidenzlevel niedrig.
  • 11 randomisierte, kontrollierte Studien. Kinder und Jugendliche, die entweder einen aluminiumhältigen oder einen aluminiumfreien Impfstoff erhalten hatten, wurden verglichen. Sofern diese Studien gut gemacht sind, haben sie ein hohes Evidenzlevel.
  • 9 Kohortenstudien. Hier wurden Gesundheitsdaten von Personen, die mit aluminiumhältigen Impfstoffen geimpft worden sind oder eben nicht. Bei ihnen besteht ein erhöhtes Risiko für Verzerrungen, dafür bestechen sie in der Regel durch eine riesige Zahl an Daten.
  • 2 ökologische Studien. Das hat nichts mit Umweltschutz zu tun. In der Epidemiologie ist damit gemeint, dass die Korrelation von zwei Faktoren in der Bevölkerung untersucht wird - in diesem Fall die Zahl der Impfungen mit Aluminium und die Zahl von Erkrankungen, die potenziell darauf zurückzuführen wären. Aber: Korrelation bedeutet nicht, dass eine Kausalität besteht.

Diese Studien wurden auf die Stärke der durch sie gelieferten Evidenz und potenziellen Bias untersucht und entsprechend gewichtet.

Die Ergebnisse: Weder bei Erkrankungen aus dem Autismus-Spektrum noch bei Asthma und anderen allergischen oder autoimmunologischen Erkrankungen, weder bei Kopfschmerzen noch bei Muskelschmerzen gab es klare Hinweise für einen Zusammenhang mit aluminiumhältigen Impfstoffen. Mit einer Ausnahme: Laut einigen Fallstudien kommt es nach Gabe von Aluminium-Adjuvantien tatsächlich häufiger zu lokalen Hautreaktionen, kleinen Knötchen an der Einstichstelle. Diese Knötchen sind bis auf einen gelegentlich auftretenden Juckreiz harmlos. Sie treten bei weniger als 1 % der Geimpften auf und verschwinden mit der Zeit von selber.

Detailliertere Übersicht der Ergebnisse der Publikation.

Die Publikation im Kontext

Der Artikel fasst systematisch das zusammen, was wir anhand der Sicherheitsdaten verschiedener nationaler und internationaler Behörden schon wissen: Die aluminiumhältigen Impfstoffe sind sicher, es gibt keinerlei Hinweise für relevante gesundheitliche Schäden durch sie. Das wird Leute wie RFK Jr. oder den tkp-Autor P.F. Mayer nicht überzeugen, wie Kinderarzt und Impfstoffforscher Peter Hotez in einer Stellungnahme zu der Studie meint:

„Die Impfgegner werden versuchen, Schwachstellen in der Studie aufzudecken, und selbst wenn sie akzeptieren sollten, dass Aluminium keinen Autismus verursacht, werden sie sich etwas anderes ausdenken.“ (Quelle)

In meiner klinischen Erfahrung sind aber die wenigsten Menschen, die sich bzw. ihre Kinder nicht impfen lassen, radikale Impfgegner. Meist sind es einfach Menschen, die durch deren Propaganda verunsichert sind und kein gesundheitliches Risiko eingehen wollen. Menschen wie die Frau, die ich 2021 bei meiner Arbeit im Spital kennengelernt habe. Eine Begegnung, die mich lange beschäftigt hat.

[Flashback] Ein Thread über eine Ungeimpfte
Ein Blick zurück auf einen Twitter-Thread vom September 2021 als Antwort auf die Forderung, Ungeimpfte nicht mehr zu behandeln.

Wenn durch Studien wie die in diesem Artikel vorgestellte einigen von diesen Ungeimpften die Angst vor der Impfung genommen werden kann, ist viel gewonnen.