Kurzes Update zur Juni-Hitzewelle

Die Wiener Berufsrettung veröffentlichte die Zahl der Rettungseinsätze, die AGES die Zahl der hitzebedingten Todesopfer.

Kurzes Update zur Juni-Hitzewelle
Photo by Richard Vanlerberghe / Unsplash
  • Die Wiener Berufsrettung verzeichnete in der Juni-Hitzewelle die drei einsatzstärksten Tage ihres 144-jährigen Bestehens.
  • Die AGES erhob für den Juni 2026 395 Hitzetote in Österreich. Ebenfalls ein Rekord.
  • Das RKI errechnete für das Jahr 2026 bis Mitte Juli 9.800 Hitzetote in Deutschland.
  • Leugner der Klimaerhitzung behaupten, es gäbe keine Hitzetote. Und wenn doch, wären sie nicht an der Hitze gestorben. Wir kennen das Muster von sder Pandemie.

Das österreichische Satiremagazin Die Tagespresse hat nicht unrecht. Die aktuellen Temperaturen bis 40°C sind nichts Besonderes, schließlich war es auch schon vor vier Wochen so heiß.

Klima-Panikmache: Temperaturen in Wahrheit nicht höher als vor vier Wochen
Die für morgen von selbsternannten “Meteorologen” angekündigten Temperaturen klingen dramatisch. Neu sind sie deshalb noch lange nicht.

Geschenklink der Tagespresse

Die Hitzewelle im Juni hatte konkrete gesundheitliche Folgen. Eine erste Schätzung von 20.000 durch sie verursachte Todesfälle in Europa war eines der Themen des letzten Blogartikels:

Erste Bilanz der Hitzewelle
Die Rekordhitze Ende Juni 2026 hatte merkbare gesundheitliche Folgen.

Inzwischen gibt es konkretere Zahlen aus Österreich und Deutschland.


Rekord bei der Zahl der Rettungseinsätze

Die zunächst noch nur vermutete Auswirkung auf die Zahl der Notrufe wurde inzwischen durch konkrete Daten bestätigt. Die Hitzetage im Juni brachten die drei einsatzstärksten Tage in der 144-jährigen Geschichte der Wiener Berufsrettung. Von der Früh des 29. Juni bis zum nächsten Morgen gab es 1.398 Rettungseinsätze - fast eineinhalbmal so viel wie an einem durchschnittlichen Tag. Wie sehr die Rettungskräfte dabei abgesehen vom Arbeitspensum selber unter der Hitze litten, erfährt man in der Pressemitteilung nicht.

Archivmeldung: Die Berufsrettung Wien verzeichnete in der aktuellen Hitzewelle die drei einsatzstärksten Tage ihrer 144-jährigen Geschichte
Nicht nur die Wiener*innen selbst sondern auch die Wiener Rettungsdienste waren in den vergangenen zwei Wochen außerordentlich gefordert. Bereits zu Beginn der Hitzewelle Mitte Juni stiegen die Einsä…

Die hitzebedingten Einsätze erfolgten laut der Berufsrettung erwartungsgemäß in erster Linie wegen Kreislaufproblemen, Kreislaufkollaps, Überhitzung sowie Herz-Kreislauf-Stillständen.


Zahl der Hitzetoten in Österreich

Nun veröffentlichte die österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) ihre Daten zur Zahl der Toten durch die Juni-Hitzewelle in Österreich auf ihrer Webseite. Das von der AGES angewendete Modell berücksichtigt dabei auch verzögerte Effekte von Hitze, die sich bis zu 21 Tage nach einem heißen Tag auf die Sterblichkeit auswirken können. Sie kam auf eine Zahl von 395 Todesfällen im Juni (Konfidenzintervall 220 bis 527), was wenig überraschend die höchste Zahl seit Beginn des Hitze-Mortalitätsmonitoring ist.

Im Standard wurde die Zahl der Hitzetoten mit der der Verkehrstoten verglichen. Alleine im Juni starben so viele an der Hitze wie im ganzen Vorjahr im Verkehr.

Im Juni starben 395 Menschen an der Hitze – so viele wie im Vorjahr im Verkehr
Laut den offiziellen Daten führte die Hitzewelle zu Beginn des Sommers zu mehr hitzebedingten Todesfällen in Österreich als in jedem anderen Juni zuvor

Im Artikel wird auch darauf hingewiesen, dass die Zahl der Todesopfer dabei nur die Spitze der gesundheitlich betroffenen Menschen ist. Die Gesamtzahl all jener, die durch die Rekordhitze gesundheitlichen Schaden nahmen, lässt sich allenfalls erahnen.

Und in Deutschland

In Deutschland veröffentlichte das Robert-Koch-Institut fast zeitgleich die Zahl der Hitzetoten des ganzen Jahres 2026 bis Mitte Juli. Sie kamen dabei auf eine Zahl von 9.800. Die Zahlen des RKI sind mit denen der AGES dabei nicht nur wegen der unterschiedlichen Zeiträume, sondern auch aufgrund unterschiedlicher Methodik kaum zu vergleichen. Was das RKI auch noch bietet, ist eine Aufteilung der geschätzten Todesopfer nach Altersgruppen, die zeigt, wie sehr die Risikogruppe der älteren Menschen von der Hitze betroffen ist.

Zur aktuellen Hitzewelle Ende Juli / Anfang August 2026 gibt es natürlich noch keine Zahlen. Wir wissen nur, dass bereits deutlich länger anhält als die Hitzewelle vor einem Monat und noch mehrere Tage anhalten wird. In der im letzten Blogartikel vorgestellten Studie über die Zahl der Rettungseinsätze haben wir gesehen, dass neben der Höhe der Temperatur vor allem auch die Zahl der Hitzetage ein maßgeblicher Faktor ist. Die Zahl der täglichen Einsätze nimmt mit jedem Hitzetag zu.


An Hitze oder mit Hitze gestorben?

Überrascht es wen, wenn bei einem mit einer Klimakatastrophe verbundenen Thema dieselben Leute mit denselben Argumenten kommen wie bei der COVID-Pandemie? Wenn es einem schwerfällt, die menschengemachte Klimaerhitzung weiterhin zu verleugnen, behauptet man eben, es gäbe keine Hitzetoten. Und wenn doch jemand starb, dass das eine Folge von Vorerkrankungen gewesen wäre. Das liest man zum Beispiel bei der österreichischen Webseite AUF1, die laut dem deutschen Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextremistisch“ gilt und zahlreiche Verbindungen zu Politikern der FPÖ und auch der AfD hat.

Screenshot einer Schlagzeile von AUF1. Artikel wird hier nicht verlinkt, ist aber leicht zu finden.

Ich bin - auch in diesem Blog - bei COVID-19 immer wieder auf den faktischen Fehler und auch auf die ethische Problematik einer Unterscheidung eingegangen, ob jemand an oder mit dem Virus gestorben ist. Tatsächlich war es bereits Thema eines meiner allerersten Blogartikel - damals im Februar 2023 noch auf Substack.

Das ewige Thema, ob jemand wegen oder mit COVID-19 im Spital liegt.
Substack-Artikel vom 23.02.2023 Wir beginnen das vierte Jahr der Pandemie. In der Öffentlichkeit ist COVID-19 fast kein Thema mehr. Die letzten Maßnahmen werden in Österreich und anderswo zurückgenommen, sogar in den Spitälern. Kanzler Nehammer verkündete: “Wir waren expertenhörig, nun sollen Experten erklären, warum sie zu dieser

Wie schon in der Pandemie gilt: Auch wenn großteils vorerkrankte und/oder alte Menschen zu den Opfern der Hitzewelle werden, bedeutet das bei den meisten von ihnen nicht, dass sie auch ohne Hitzewelle bereits am Sterben gewesen wären. Wer den Tod von vorerkrankten Menschen einfach so hinnimmt, ja sogar als egal im Sinne von „wären ohnehin auch so gestorben“ bezeichnet, offenbart eine Menschenverachtung, in der Vulnerable als unwert gelten.

Ich möchte mich nicht schon wieder an diesem Thema abarbeiten. Stattdessen möchte ich auf folgenden klugen Artikel von Florian Aigner verweisen, der all das abhandelt:

Hitzetote, die nicht zählen
Wie Klimawandel-Leugner auf menschenverachtende Weise Todesfälle kleinreden, wie man wissenschaftlich korrekt Tote zählt – und warum das gar nicht so einfach ist.