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Das ist die Zahl der Hitzetoten dieses Sommers in den größeren europäischen Städten laut einer Studie des Imperial College London.

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Photo by Alexander Grey / Unsplash
  • In 854 europäischen Stadtregionen kam es laut einer Studie des Imperial College London zu 50.000 zusätzlichen hitzebedingten Todesfällen.
  • Zwei Drittel dieser Todesfälle sind auf die menschengemachte Klimaerhitzung zurückzuführen.

Dieser Sommer war in West- und Zentraleuropa der heißeste, seit Temperaturen gemessen werden. Die globalen Temperaturen lagen im August 1,65°C über dem präindustriellen Durchschnitt. In Westeuropa waren es sogar +2,54°C - und zwar nicht im Vergleich zur präindustriellen Zeit, sondern zum bereits wärmeren Referenzzeitraum von 1991 bis 2020 („Copernicus: August was the world’s joint hottest month on record, pushing global temperatures back above 1.5°C above pre-industrial levels“).

Das wurde in Teilen Österreichs noch übertroffen, im Durchschnitt lagen die Temperaturen 2,6°C über Referenzzeitraum von 1991 bis 2020, in Wien sogar 2,9°C. („Der Sommer 2026 ist der heißeste seit Messbeginn in Österreich“). Im Osten gab es auch nur halb so viel Niederschlag wie im langjährigen Durchschnitt. Die hierzulande üblichen Sommergewitter blieben fast völlig aus.

Quelle: Der Standard

Es wird auch kaum jemanden überraschen, dass die zehn heißesten Sommer allesamt in diesem Jahrhundert verzeichnet wurden. Es waren die Sommer 2026, 2024, 2019, 2003, 2015, 2022, 2017, 2018, 2025 und 2023 - bis auf den „Jahrhundertsommer“ 2003 also alle in den letzten 11 Jahren.

Diese Hitze hat konkrete gesundheitliche Auswirkungen. Das Hitze-Mortalitätsmonitoring der AGES kam allein in Österreich auf eine Zahl von fast 1000 zusätzlichen Todesfällen von Juni bis August.

AGES - Klimawandel und Hitze
Hitzewellen sind mittlerweile keine Ausnahmeerscheinung im Zuge des Klimawandels mehr. Sie haben große Auswirkungen auf die Gesundheit.

Q https://www.ages.at/umwelt/klima/klimawandelanpassung/hitze#c36088

In zwei früheren Blogartikeln habe ich bereits über die gesundheitlichen Folgen der Hitze, insbesondere der ungenügenden nächtlichen Abkühlung geschrieben. So führten die Hitzetage Ende Juni zu den einsatzstärksten Tagen der Geschichte der Wiener Berufsrettung. In diesen beiden Artikeln gehe ich auch kurz darauf ein, dass die Hitze bei den wenigsten Todesfällen die direkte Todesursache ist, sondern der indirekte Auslöser für gesundheitliche Probleme wie Herzprobleme, Nierenversagen oder schwere Infektionen.

Erste Bilanz der Hitzewelle
Die Rekordhitze Ende Juni 2026 hatte merkbare gesundheitliche Folgen.
Kurzes Update zur Juni-Hitzewelle
Die Wiener Berufsrettung veröffentlichte die Zahl der Rettungseinsätze, die AGES die Zahl der hitzebedingten Todesopfer.

Hitzebedingte Todesopfer in den Städten Europas

Forschende des Imperial College London untersuchten die Zahl der hitzebedingten Todesfälle in 854 Städten der EU-Staaten, Großbritanniens, Norwegens und der Schweiz. Die Studie ist bereits nach Peer-Review zur Publikation im Journal Nature Health angenommen, kann aber jetzt schon auf der Webseite des Imperial College abgerufen werden:

Heat-related urban mortality attributable to human-induced climate change in Europe in summer 2026
The summer of 2026 was characterised by a series of extreme heatwaves across Western Europe, with both monthly and annual temperature records broken repeatedly across many countries from May onwards. Several government agencies took the unprecedented step of issuing near-real-time estimates of the mortality associated with the most intense heat events, reflecting the severity of the threat to public health. In this study we combine probabilistic climate attribution with city- and age-specific temperature–mortality relationships to estimate heat-related mortality in 854 European cities during the summer months (June-August) and compare with counterfactual climate conditions representing a world without human-caused warming. We estimate 50,391 heat-related excess deaths across the 854 cities during the summer, with around two thirds of these attributable to anthropogenic climate change. These results highlight the threat from human-caused warming and the need for rapid emissions reductions alongside preparation and adaptation measures.

Die Studie baut auf einer eben erst ebenfalls bei Nature Health erschienenen Studie derselben Forschenden auf, in der die hitzebedingten Mortalität dieser 854 Städte von 2000 bis 2025 erhoben wurde („Heat-related urban mortality attributable to human-induced climate change in Europe from 2000 to 2025“). Sie belegten dabei, wie die Zahl der jährlichen Hitzetoten im Verlauf anstieg. In der folgenden Grafik zeigt das mittlere Bild den Anstieg der Zahl der Hitzetoten, links davon die Zahl der Hitzetoten bei der hypothetischen Annahme einer Welt ohne menschengemachte Klimaerhitzung:

a) Kalkulation der Zahl der hitzebedingten Todesfälle in den 854 Städten in einem Szenario ohne menschengemachte Klimaerwärmung. b) Zahl der zusätzlichen hitzebedingten Todesfälle alleine durch die menschengemachte Klimaerwärmung. c) Anteil der hitzebedingten zusätzlichen Todesfälle, die auf die menschengemachte Klimaerwärmung zurückzuführen sind. (Quelle)

Insgesamt kamen die Forschenden für den Zeitraum der 25 Jahre auf eine Gesamtzahl von rund 430.000 hitzebedingten Todesfällen in den 854 Städten. Der Anteil der durch die menschengemachte Klimaerhitzung bedingten Todesopfer stieg dabei von 39% im Jahr 2000 auf 68% im Jahr 2025.

Der Sommer 2026

In der Folgestudie über den Sommer 2026 führten die Forschenden das Konzept der ersten Arbeit fort und kamen so auf eine geschätzte Zahl von 50.391 überzähligen hitzebedingten Todesfälle während der Sommermonate Juni bis August in den 854 Städten. Die höchste Sterblichkeit trat wie zu erwarten bei den Personen ab 85 Jahren auf (22.502 hitzebedingte zusätzliche Todesfälle), weitere 14.100 in der Altersgruppe von 75 bis 84 Jahren. Doch selbst in der Altersgruppe der 20- bis 44-Jährigen kamen die Studienautor:innen auf 833 Todesfälle.

Außerdem kalkulierten die Forschenden, wie groß der Einfluss der menschengemachten Klimaerhitzung auf die Gesamtzahl der hitzebedingten Todesfälle war. Ohne das Verbrennen fossiler Brennstoffe wären diesen Sommer demnach 32.600 weniger Menschen an den Folgen der Hitze gestorben.

Die mittleren Tagestemperaturen 2026 im Vergleich zum Durchschnitt von 1991 bis 2020 sowie die Zahl der zusätzlichen hitzebedingten Todesfälle pro Tag. Factual scenario: Berechnung anhand der gemessenen Temperaturen; counterfactual scenario: Berechnug anhand der kalkulierten Temperatur ohne menschengemachte Klimaerwärmung.

Ein Blick auf die verschiedenen Regionen zeigt wenig überraschend, dass der Süden Europas stärker unter der Hitze leidet als der Norden. Aber auch die zentraleuropäischen Binnenstaaten traf es hart. In Österreich gab es 339 zusätzliche Hitzetote pro 1 Million Einwohner, in der Schweiz 386, in Ungarn gar 537. Der relative Anteil der auf die menschengemachte Klimaerwärmung zurückzuführenden Todesfälle lag in den meisten Ländern zwischen 60 und 70%, in Spanien und in Südosteuropa deutlich darüber (in Finnland und Estland auch, allerdings bei einer sehr geringen absoluten Zahl an Todesfällen).

Für besonders Interessierte gibt es hier eine Tabelle mit Daten zu den einzelnen Staaten:

Population: Die erwachsene Bevölkerung in den untersuchten Städten; Excess deaths: zusätzliche hitzebedingte Todesfälle; Std. excess: zusätzliche hitzebedingte Todesfälle pro 1 Million; N. attributable: Zahl der Todesopfer durch die menschengemachte Klimaerwärmung; Prop. attributable: Anteil der auf die menschengemachte Klimaerwärmung zurückzuführende Zahl der Todesopfer an der gesamten Zahl der hitzebdingten Todesopfer.

Die Studie im Kontext

Laut der Studie war die Zahl der zusätzlichen hitzebedingten Todesopfer in den europäischen Städten 2026 fast doppelt so groß wie während der zwei tödlichsten Hitzewellen der Vergangenheit in den Jahren 2003 und 2022. Die Wissenschaftler:innen kamen zu dem Schluss, dass etwa zwei Drittel der Todesfälle dieses Sommers auf die menschengemachte Klimaerhitzung zurückzuführen sind, die die drückende Hitze noch verschlimmert hat.

Die in dieser Studie genannten Zahlen sind Kalkulationen, die nur eine Annäherung an die tatsächliche Zahl der Todesopfer sein können. Im Einzelfall lässt sich nicht festlegen, ob ein Herzinfarkt, ein Schlaganfall auf die Hitze zurückzuführen ist. Klar ist, dass das Risiko mit der hohen Temperatur steigt. Das direkte Zählen der Todesopfer ist deshalb nicht möglich. Die Autor:innen verweisen aber auf Studien einzelner Länder, die trotz unterschiedlicher Methodik zu vergleichbaren Zahlen wie die Studie des Imperial College kommen.

In dieser Studie geht es ausschließlich um die Todesfälle. Diese sind allerdings nur die Spitze des Eisbergs (sofern man bei Temperaturen um 40°C überhaupt noch von einem „Eisberg“ sprechen kann). Die viel größere Zahl der infolge der Hitze erkrankten und manchmal dauerhaft geschädigten Menschen ist kein Thema der Studie. Ebenso wenig das, was sich in bei den Einsatzkräften abspielte. Oder bei uns in den Spitälern, in denen Patienten und Personal menschenunwürdigen Raumtemperaturen ausgesetzt waren, die zudem dafür sorgten, dass medizinische Geräte automatisch in den Notbetrieb schalteten, und die nicht zuletzt zugelassene Lagerungstemperaturen der Medikamente verunmöglichten.

Ohne an dieser Stelle darauf einzugehen, was alles auf politischer und gesellschaftlicher Ebene passieren müsste, um die fossile Klimaerhitzung zu bremsen und das Leben in den zunehmend glühend heißen Sommermonaten zu erleichtern und zu schützen, sei lediglich auf die knappe Aussage der Klimaepidemiologin Kristie Ebi in einem Artikel des Science Magazine zu der Studie verwiesen:

“Almost all those deaths are preventable.”